Interview mit Dr. Klein-Wiele zum Weltherztag | Grönemeyer Institut für Mikrotherapie

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Interview mit Dr. Klein-Wiele zum Weltherztag

Warum sind Sie Mediziner geworden und warum ausgerechnet Kardiologe?
 
KW: Ich bin zur Medizin gekommen, weil ich so familiär geprägt worden bin. Meine Mutter war Ärztin und hat immer viele spannende Dinge erzählt über die Medizin, Erlebnisse und Notfälle und das hat mich schon fasziniert. Darüber hinaus bin ich auch naturwissenschaftlich interessiert, ohne jetzt wirklich so einen richtigen Schwerpunkt zu haben, dass ich jetzt unbedingt Physiker werden wollte zum Beispiel. Und ich glaube, so in erster Linie war es die Faszination für das Fach. Medizin zu machen und die medizinische Ausbildung ist ja, dass man allgemein anfängt, dass man alles mal kennenlernt.
Und dann wurde mir klar, dass ich innere Medizin sehr spannend finde, weil es das Komplexeste ist und die meisten Krankheitsbilder beinhaltet. Es ist halt nicht direkt klar: der Patient hat das Problem und jetzt muss ich das machen, sondern das Herausfinden, diese Detektivarbeit ist sehr spannend. Und irgendwann muss man sich entscheiden, wo man sich spezialisieren will und da erscheint mir die Kardiologie ganz besonders spannend, weil die Krankheitsbilder sehr dynamisch sind. Es gibt viele Notfallsituationen aber auch gleichzeitig Patienten, die man längerfristig betreuen kann. Es hat also alles, was ein Fach braucht, um spannend zu sein. Nicht zuletzt ist es auch ein unglaublich innovatives Fach, wo es im Prinzip täglich neue Erkenntnisse und neue Methodik gibt, dem Patienten zu helfen.
 
Was tun Sie persönlich, um Ihr Herz fit zu halten?
 
KW: Ich versuche Sport zu machen. Ich fahre zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Arbeit und fahre dadurch in der Woche bis zu 200 Km Rad. Hab allerdings auch früher sehr viel Sport – auch Leistungssport – gemacht, so dass es mir nicht so schwer fällt. Ich weiß, dass viele sich immer sehr quälen müssen, um Sport zu machen. Für mich gehört das zum Leben dazu. Dann versuche ich ungünstige Einflüsse weg zu lassen, mich gesund und ausgewogen zu ernähren. Ich rauche nicht, das ist sicherlich der entscheidende Faktor, denn der Raucher und der Nichtraucher sind zwei ganz unterschiedliche Menschen für einen Kardiologen. Da geht die Schiene spätestens ab dem vierzigsten Lebensjahr ganz stark auseinander, was die Gesundheit angeht. Aber ich befolge keine besonders spartanische Lebensweise und bin auch kein Asket.
 
Man hört immer wieder, wie wichtig die richtigen Cholesterinwerte für das Herz und die Gefäße sind. Bedeutet herzgesund zu leben, auf bestimmte Lebensmittel wie Pizza und Pommes frites komplett zu verzichten? Was steht denn auf Ihrem Speiseplan? Bei welchem Essen werden Sie schwach?
 
KW: Schwach werde ich bei Süßigkeiten und sehr ungesunden Dingen, wie einer Pizza mit einer ganz dicken Käseschicht. Aber, solange man das nicht jeden Tag ißt, ist das auch völlig okay. Ich handhabe das bei meinen Patienten auch so, dass die Lebensqualität im Vordergrund steht. Ich würde niemandem ein Gläschen Wein oder mal eine Pizza verbieten, aber ich glaube, dass jeder Mensch weiß, was eine gesunde Mischung ist. Wenn er das nicht weiß, muss man ihn schulen, aber letztlich geht es um eine ausgewogene, mediterrane Kost. D.h. viel Gemüse, viel Obst, eher mal Fisch und helles Fleisch statt Rind- und Schweinefleisch. Sich cholesterinbewußt zu ernähren bedeutet, wenig tierische Fette zu sich zu nehmen. Aber ich denke, wenn man ganz bewußt viel Obst und Gemüse ißt und diesen Anteil bei seiner täglichen Kost erhöht und das tierische Fett reduziert, dann kommt man automatisch auf eine gute Mischung. Was die Lebensqualität betrifft: ab und zu mal sündigen ist überhaupt nicht das Problem.

Problematisch ist, dass sich viele Menschen eine ungesunde Fast-Food-Ernährung angewöhnt haben und dann auch diese Geschmacksreize brauchen. Viel Salz, extrem intensiver Geschmack durch Geschmacksverstärker bringt einen weg von der natürlichen Ernährung, die der Mensch braucht. Das ist der eine Punkt. Der andere Punkt ist letztendlich die Menge, die man ißt. Ich versuche schon zu schauen, dass es nicht wie bei vielen Männern so ab dem vierzigsten Lebensjahr dann kontinuierlich jedes Jahr ein oder zwei Kilo mehr werden. Ich denke, es ist extrem wichtig, dass man in einem Normal- bis Idealgewicht bleibt. Denn es ist nachgewiesen, dass je weniger Fettanteil man hat, man desto mehr den Organismus entlastet. Das heißt, wer ständig dem Körper ein Überangebot an Kalorien zuführt, der verursacht Streß im Körper. Der ganze Stoffwechsel wird überfordert, so dass es dann zu verschiedenen Schädigungen der Gefäße und der gesamten Struktur im menschlichen Körper kommt. Gelenke werden überlastet, wenn man übergewichtig ist und deswegen ist, neben der Zusammensetzung der Nahrung, vor allem extrem wichtig, dass man nicht zuviel ißt. Und wenn man mehr ißt, muss man dementsprechend auch mehr Sport machen und sich mehr bewegen.
 
Ein Kreislauf also. Waren Sie schonmal in einer Situation, in der Ihr Herz unter Streß stand? Und wie sind Sie damit umgegangen?
 
KW: Klar, das Herz reagiert ja sehr intensiv auf Anspannung, Anstrengung und psychischen Streß. Ich hatte das schon ziemlich früh als Kind, dass mir schwarz vor Augen wurde und ich umgefallen bin. In so klassischen Situationen: man steht, ist aufgeregt und es ist vielleicht ein bisschen schwül und man kriegt Herzrasen, es wird einem schwummerig und man fällt um. Ein völlig normales Phänomen, gerade bei jungen Menschen.
Und dann halt, wenn ich mich an meine medizinische Karriere zurück erinnere, gab es auch da immer mal wieder Prüfungen, wo man auch aufgeregt ist und einem das vegetative Nervensystem dann einen Strich durch die Rechnung macht. Da wirkt man halt nicht ausgeglichen und ruhig und man merkt das Herzrasen und spürt die Aufregung. Doch, das ist dann auch immer wieder abgeklungen und hat nicht dazu geführt, dass ich jetzt besonders auf mich achte.
 
Sie sind kürzlich Vater geworden. Gibt es eine „goldene Regel“ in Sachen Herzgesundheit, die Sie Ihrem Kind mit auf den Lebensweg geben würden?
 
KW: Ja, ich würde versuchen, dem Kind Anreize und Impulse zu geben – aber es ist natürlich fraglich, inwieweit das klappt – dass es sich gut ernährt. Also, nicht übergewichtig wird und durch eine sehr ungesunde Ernährung dem Körper schadet. Denn je früher das anfängt, umso schlechter ist es.   
Und dann sind zwei Dinge für mich ganz wichtig: einerseits Sport. Das sollte ein Hobby oder eine Passion sein. Dass man es liebt, seinen Körper zu spüren und man es toll findet mal ausgepowert zu sein und man dadurch Freude gewinnt. Denn ich glaube, das hält einen auch insgesamt, auch geistig, fit. Das haben Studien inzwischen ja auch bewiesen. Auf der anderen Seite ist wichtig, dass man einen Ausgleich hat: Freundschaften und Hobbys zu entwickeln. Ich finde Musik ideal, ich mache auch selber viel Musik, weil es ein Gegenpol zu dem Streß ist, den wir durch unsere mitmenschlichen Beziehungen und das Berufsleben einfach aufbauen. Da hat man eine Sache für sich ganz allein. Dieser Ausgleich ist so die dritte Säule: gesunde Ernähurung, Sport und Bewegung und dazu ein guter Ausgleich.
 
Gibt es Sportarten, die besonders kardio-verträglich sind und dem Herzen besonders gut tun?
 
KW: Letztendlich sage ich meinen Patienten immer: egal, was ihr macht, es ist alles sinnvoll. Also auch Krafttraining ist sinnvoll fürs Herz, wenn es nicht übertrieben ist. Idealerweise sollte es aber in den Ausdauerbereich gehen, das ist besonders gut fürs Herz. Das heißt, bei niedriger oder mittlerer Intensität joggen, Fahrrad fahren, schwimmen oder rudern. Alles, was dann in gewisser Weise auch entspannt, ist sinnvoll, weil es dazu führt, dass das Herz sich daran gewöhnt eine Ausdauerleistung zu erbringen und in der Folge die Herzfrequenz absinkt. Leistungssportler haben ja auch einen sehr niedrigen Puls, weil das vegetative Nervensystem lernt einen Gang runterzuschalten. Dadurch ist man in seinen Ruhephasen, wenn man also nicht Sport macht, wesentlich entspannter. Die Effekte sind dann, dass der Blutdruck und das Stressniveau absinken. Das ist eine Sache, die man unbedingt nutzen sollte. Neben dem Krafttraining und dem Koordinationstraining ist das ein ganz wichtiger Faktor.
 

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